Der Palast des Omurtag, eine Khansfestung bei Chan Krum
Der Palast des Omurtag, auch Aul des Omurtag genannt, ist eine archäologische Stätte im Gebiet Hisar Kale nahe dem Dorf Chan Krum in Nordostbulgarien. Er verbindet einen befestigten frühmittelalterlichen Herrschersitz des Ersten Bulgarischen Reiches mit den Ruinen gotischer Kirchen aus der Spätantike. Es ist ein stilles, wenig besuchtes Ziel für alle, die den alten Hauptstädten Pliska und Preslaw folgen.
Eine 1905 gefundene Säule berichtet von einem Khanspalast mit zwei steinernen Löwen. Unter denselben Feldern liegen gotische Kirchen, eine mit den vielleicht ältesten christlichen Fresken Bulgariens.
Die Geschichte des Palastes des Omurtag
Die ältesten Ruinen hier sind viel älter als der Khan. Sie stammen aus der Spätantike, etwa 250 bis 650 n. Chr., und umfassen vier Kirchen, ein Bad und Befestigungsmauern. Die Forschung bringt sie mit arianischen gotischen Siedlern der Gegend in Verbindung und mit dem gotischen Bischof Wulfila des 4. Jahrhunderts, der mit seinen Anhängern in das heutige Nordbulgarien zog und die Bibel ins Gotische übersetzte. Dass er gerade mit diesem Ort zu tun hat, ist eine Hypothese und keine Gewissheit. Eine 1976 freigelegte kleine Kirche gilt als Privatkirche eines hochrangigen Goten, möglicherweise Wulfilas selbst, und ihre spärlich erhaltene Freskenschicht soll die älteste christliche Malerei Bulgariens sein.
Daneben stand eine größere, fast quadratische Basilika von 29,7 mal 26 Metern mit drei Schiffen und zweiflügeliger Apsis, die als arianischer Bischofssitz gilt. Über ihren Ruinen entstand später ein Achteckbau; der Archäologe Todor Balabanow hält ihn für ein Mausoleum, vergleichbar mit dem Mausoleum Theoderichs in Ravenna. In den 2000er-Jahren legten die Forscher außerdem gotische Gräber mit medizinischen Geräten, einem Kettenhemd und goldverziertem Schmuck frei, darunter das einer Frau mit künstlich deformiertem Schädel, einem Zeichen hohen Standes. Die gotischen Kirchen sollen bei Hunneneinfällen zerstört worden sein.
Die mittelalterliche Geschichte beruht auf der Inschrift von Tschatalar, einem griechischen Text auf einer Säule, die 1905 im Dorf Chan Krum, damals Tschatalar genannt, ausgegraben wurde. Darin heißt es, Omurtag, Herrscher des Ersten Bulgarischen Reiches von 815 bis 831, habe eine Aulē mit vier Säulen, bekrönt von zwei Löwenstatuen, am Fluss Tischa errichtet. Früher brachte man die Stelle mit Preslaw in Verbindung. Heute gilt die Stätte bei Chan Krum, viel näher am Fundort, als gesichert. Offen bleibt, ob aulē das griechische Wort für einen Palasthof meint oder den steppennomadischen Aul, einen befestigten Herrschersitz.
Die Festung, bei den Einheimischen Hisar Kale genannt, misst 405 mal 515 Meter und ist viel kleiner als die Befestigungen von Pliska, gleicht ihnen aber stark. Im Inneren lag eine innere Festung von 92,5 mal 113,6 Metern mit Zugang von Osten und Steinbauten, darunter ein dreiräumiges Bad. Gefunden wurden Fragmente eines etwa einen Meter hohen Löwen, passend zu einem der beiden Löwen der Inschrift. Hier stand auch ein heidnisches Heiligtum: vergrabene Hunde- und Hasenknochen und ein Steinblock mit Rinne für Blut deuten auf Tieropfer hin.
Die Siedlung war über 150 Jahre bewohnt, von 822 bis ins späte 10. Jahrhundert, als die Festung zerstört wurde; später baute man erneut auf den Ruinen. Eine fünfte Kirche mit drei Schiffen und drei Apsiden, 2009 entdeckt und ins 10. Jahrhundert datiert, zeigt, dass das christliche Leben nach der Christianisierung Bulgariens weiterging. Die Grabungen begannen 1957 und wurden nie vollständig abgeschlossen. Seit etwa 2000 arbeiten hier bulgarische und deutsche Archäologen, und die genaue Rolle der Festung im Militärsystem des frühen bulgarischen Staates ist weiterhin ungeklärt.
Kurioses über den Palast des Omurtag
- Die Inschrift von Tschatalar tauchte 1905 auf, als das Dorf Chan Krum noch Tschatalar hieß, und lenkte die Deutung des Khanspalastes schließlich von Preslaw weg.
- Die Inschrift nennt zwei Löwenskulpturen; im Inneren der Festung wurden Fragmente eines etwa einen Meter hohen Steinlöwen gefunden.
- Die spärlichen Fresken in der 1976 freigelegten kleinen Kirche gelten als die ältesten christlichen Wandmalereien Bulgariens.
- In einem gotischen Grab lag eine Frau mit künstlich deformiertem Schädel, einem Kennzeichen vornehmer Personen bei Goten, Sarmaten und Bulgaren.
- Die Einheimischen nennen die Festung Hisar Kale, ein türkisches Wortpaar, dessen beide Wörter „Burg“ oder „Festung“ bedeuten.
- Ein verputzter Stein mit Rinnen zu einer Grube sowie vergrabene Hunde- und Hasenknochen deuten auf Tieropfer in einem heidnischen Heiligtum innerhalb der Festung hin.
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Den Palast des Omurtag besuchen: das sollten Sie wissen
- Die Stätte liegt rund 2 km südlich von Chan Krum und etwa 10 km von Schumen und von Weliki Preslaw entfernt.
- Sie ist über eine unbefestigte Piste erreichbar, die eher den Landwirten dient, und Schilder sind selten. Prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Zugangsbedingungen.
- Der größte Teil des Geländes ist nicht hergerichtet und noch in Erforschung; erwarten Sie Ruinen, keine ausgebaute Besucheranlage. Einrichtungen vor Ort sind nicht bekannt.
- Achten Sie auf den Verlauf des 405 mal 515 Meter großen Walls und der inneren Festung sowie auf die gotischen Kirchenruinen außerhalb der mittelalterlichen Mauern.
- In der Nähe liegen die Runde Kirche in Preslaw, die Festung von Schumen und die Große Basilika von Pliska.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Palast des Omurtag
Fotos: Palast des Omurtag





Fragen
Was ist der Palast des Omurtag?
Eine archäologische Stätte bei Chan Krum mit einem frühmittelalterlichen bulgarischen befestigten Aul, 822 unter Khan Omurtag errichtet, über spätantiken gotischen Kirchenruinen.
Wo liegt der Palast des Omurtag und wie weit ist es nach Schumen?
Er liegt im Gebiet Hisar Kale, etwa 2 km südlich des Dorfes Chan Krum und rund 10 km von Schumen und Weliki Preslaw entfernt.
Was hat er mit der Inschrift von Tschatalar zu tun?
Die 1905 in Chan Krum gefundene Inschrift besagt, Omurtag habe am Fluss Tischa einen Aul mit zwei Löwenskulpturen errichtet. Die Stätte gilt heute als dieser Ort.
Wer waren die Goten an diesem Ort?
Die Forschung verbindet die spätantiken Kirchen und Gräber mit arianischen gotischen Siedlern und möglicherweise mit Bischof Wulfila. Die Verbindung zu ihm ist eine Hypothese.
Wie alt ist die Festung?
Der Aul stammt von 822 und war über 150 Jahre bis ins späte 10. Jahrhundert bewohnt. Die gotischen Reste darunter sind viel älter, etwa von 250 bis 650 n. Chr.
Was gibt es in der Nähe des Palastes des Omurtag noch zu sehen?
Die Runde Kirche in Preslaw, die Festung von Schumen und die Tombul-Moschee liegen im Umkreis von etwa 10 km, die Große Basilika von Pliska rund 31 km entfernt.
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