
Festung Schumen, die Bergfestung über der Stadt Schumen
Die Festung Schumen ist eine antike und mittelalterliche Ruinenstätte auf dem Schumen-Plateau, wenige Kilometer von der Stadt Schumen im Nordosten Bulgariens entfernt. Thraker, Römer, Byzantiner und Bulgaren errichteten hier Mauern, und heute zählt sie zu den am besten erforschten archäologischen Stätten des Landes. Sie liegt in einem Naturpark und ist ein lohnender Abstecher für Burgenfreunde.
Diese Bergfestung war über tausend Jahre bewohnt und wurde doch nie Hauptstadt: Die glanzvollen Nachbarn Pliska und Preslaw stahlen ihr den Ruhm, während sie sie still bewachte.
Die Geschichte der Festung Schumen
Das Plateau oberhalb des heutigen Schumen liegt an einem Kreuzungspunkt von Routen, die das Donauufer bei Silistra mit Adrianopel und Konstantinopel sowie die nördliche Schwarzmeerküste mit den westbulgarischen Gebieten verbanden. Thraker, wahrscheinlich vom Stamm der Geten, siedelten hier schon in ferner Vergangenheit; eine erste Verteidigungsmauer, die etwa ins fünfte Jahrhundert v. Chr. datiert wird, ist nicht erhalten. Nachdem die Römer die Donauebene unterworfen hatten, errichteten sie eine neue Mauer mit Mörtelverband sowie rechteckigen und U-förmigen Türmen. Die Goten zerstörten die Festung um 250, doch sie wurde bald wiederaufgebaut. In römischer Zeit diente sie vor allem militärischen Zwecken und stand wirtschaftlich hinter dem nahen Marcianopolis und Abritus zurück.
Nach der Teilung des Reiches im Jahr 395 bauten die Byzantiner eine neue Mauer mit fünfeckigen Türmen, die für Steinschleudern schwerer zu treffen waren. In frühbyzantinischer Zeit entwickelte sich die Festung zu einem größeren Produktions- und Handelszentrum; 158 Münzen aus dieser Zeit belegen Verbindungen in entfernte Teile des Reiches. Barbareneinfälle von der zweiten Hälfte des fünften bis zur Mitte des siebten Jahrhunderts zerstörten die antike Stadt dann und entvölkerten sie.
Nach der Ankunft der Bulgaren unter Asparuch 680–681 gehörte das Gebiet zum Ersten Bulgarenreich. Im achten Jahrhundert entstanden zwischen den Ruinen Erdhütten, und im neunten und zehnten Jahrhundert wurde die Siedlung allmählich als Festung wiederaufgebaut; einige Türme erhielten eine dreieckige Form, und es entstand eine Zitadelle für die Statthalter. Nahe den Hauptstädten Pliska und Preslaw hatte die Festung eine wichtige militärische Rolle, war aber weit weniger wohlhabend. 1001 nahmen die Byzantiner sie ein, in den 1030er oder 1040er Jahren zerstörten Petschenegen-Überfälle sie, danach wurde sie erneut wiederhergestellt.
Die Blütezeit folgte nach dem Aufstand der Assenen Ende des zwölften Jahrhunderts. Im Zweiten Bulgarenreich war Schumen eine der am weitesten entwickelten Städte des mittelalterlichen Bulgarien, bekannt für Landwirtschaft, Töpferei (vor allem Sgraffito-Keramik), Steinmetzkunst und Metallverarbeitung. Unter Zar Iwan Alexander gab es eine Münzstätte, und im vierzehnten Jahrhundert schützten drei Befestigungsgürtel die Stadt; der Palast des Statthalters war zu einem Donjon ausgebaut, und in der Innenstadt standen sechs Kirchen. Zar Iwan Schischman besuchte die Stadt, und eine Inschrift aus seiner Zeit nennt den Namen der Stadt genau in der Form Schumen.
1388 nahmen die Osmanen unter Wesir Ali Pascha die Festung ein; die osmanische Schicht liegt unmittelbar auf der bulgarischen, weshalb man annimmt, dass sie ohne Widerstand fiel. Das Ende kam 1444 im Umfeld des Kreuzzugs von König Władysław III. von Polen, der bei Warna endete. Die Festung wurde eingenommen, niedergebrannt und zerstört und danach nie wieder besiedelt. Systematische Grabungen von 1957 bis 1987 unter Wera Antonowa legten drei Mauern, zwölf Kirchen und vieles mehr frei; 2012–2015 erfolgte eine teilweise Restaurierung.
Wissenswertes über die Festung Schumen
- Die hier gefundene Schumen-Inschrift von Zar Iwan Schischman ist das Dokument, das den Stadtnamen genau als Schumen festhält.
- Zu den Funden gehört eine kleine Tafel mit einem tanzenden Mann, möglicherweise ein frühbulgarischer Schamane, was aber offen bleibt.
- Eine Inschrift mit dem Wortlaut „Ostro… bogoin“ gilt laut der Ausgräberin Wera Antonowa als erste kyrillische Inschrift in Bulgarien; einige Forscher sehen darin auch das älteste kyrillische Denkmal.
- Im sogenannten „Kultzentrum“ der Anlage stehen die Fundamente von vier Kirchen nebeneinander.
- Ein Bronzesiegel mit Doppeladler wird Zar Iwan Alexander zugeschrieben, und ein Kalksteinblock mit Doppeladler und dreizackiger Krone erinnert vielleicht an einen Herrscherbesuch.
- Von der Festung aus blickt man im Osten Richtung Madara und im Nordwesten Richtung Pliska, der ersten bulgarischen Hauptstadt.
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Die Festung Schumen besuchen: Was Sie erwartet
- Das Reservat gehört zu den 100 nationalen touristischen Objekten Bulgariens, und ein Museum ist angeschlossen; prüfen Sie vor dem Besuch die aktuellen Öffnungszeiten.
- Achten Sie auf die drei Mauerringe, römisch, frühbyzantinisch und aus dem Zweiten Bulgarenreich, jeweils mit eigenen Turmformen, sowie auf Kirchenruinen und Zitadelle.
- Die 2015 abgeschlossene Restaurierung brachte Wege entlang der Mauern und eine künstlerische Beleuchtung; die Festung liegt im Naturpark Schumen-Plateau.
- Auf dem Weg kommt man am Denkmal „Gründer des bulgarischen Staates“ von 1981 und an einem Informationszentrum vorbei, von dem ein etwa 3 km langer Weg zur Festung führt.
- Die Tombul-Moschee steht in Schumen selbst, und die Große Basilika von Pliska sowie die Runde Kirche von Preslaw lassen sich in einem Tagesausflug verbinden.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Festung Schumen
Fotos: Festung Schumen





Fragen
Was ist die Festung Schumen?
Die Festung Schumen ist eine antike und mittelalterliche Höhenfestung oberhalb der Stadt Schumen im Nordosten Bulgariens. Sie gehört zu den am besten erforschten archäologischen Denkmälern des Landes.
Wo liegt die Festung Schumen und wie kommt man hin?
Sie liegt auf dem Schumen-Plateau, wenige Kilometer von der Stadt entfernt, im Naturpark Schumen-Plateau. Man erreicht sie mit dem Auto und dann zu Fuß auf Wegen.
Wer hat die Festung Schumen gebaut?
Mehrere Völker hinterließen Spuren: Thraker, Römer, Byzantiner und Bulgaren. Drei aufeinanderfolgende Mauern wurden freigelegt: eine römische, eine frühbyzantinische und eine aus dem Zweiten Bulgarenreich.
Wann wurde die Festung Schumen aufgegeben?
Sie wurde 1444 im Zuge des Kreuzzugs von König Władysław III. von Polen, im Jahr der Schlacht bei Warna, zerstört und danach nicht wieder besiedelt.
Was wurde bei den Ausgrabungen gefunden?
Archäologen legten zwölf Kirchen, ein frühbyzantinisches Bad, zwei Wasserbecken, eine Zitadelle, Münzen, Sgraffito-Keramik und mehrere berühmte Inschriften frei.
Was gibt es in der Nähe der Festung Schumen noch zu sehen?
Am nächsten liegt die Tombul-Moschee in Schumen. Die Große Basilika von Pliska, die Runde Kirche von Preslaw und der Palast des Omurtag liegen in höchstens etwa 25 km Entfernung.
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