Nicopolis ad Istrum, die von Trajan gegründete Römerstadt in Nordbulgarien
Nicopolis ad Istrum ist eine römische und frühbyzantinische Stadt am Fluss Rossiza beim Dorf Nikjup, etwa 20 km nördlich von Weliko Tarnowo. Kaiser Trajan gründete sie zum Andenken an seine Siege über die Daker; Straßen, Agora, Odeon und Aquäduktreste zeigen noch heute, wie eine Provinzstadt lebte. Ein echter Geheimtipp unter den Sehenswürdigkeiten Nordbulgariens.
Diese Römerstadt schenkte den Goten ihr Alphabet: Im 4. Jahrhundert ließ sich Bischof Wulfila in der Nähe nieder und schuf hier die gotische Schrift. Ihr Thermoperipatos ist bis heute einzigartig.
Die Geschichte von Nicopolis ad Istrum
Der Ort liegt dort, wo Jantra und Rossiza zusammenfließen. Im Winter 101/102 sammelte sich hier das römische Heer unter Kaiser Trajan, bevor es die Roxolanen angriff, einen mit den Dakern verbündeten Stamm nördlich der Donau. Um 102 bis 106 gründete Trajan an dieser Stelle zum Andenken an seine Siege in den Dakerkriegen eine Stadt und nannte sie nach seinem Familiennamen Ulpia Nicopolis. Die Geographie des Ptolemäus aus der Zeit vor 130 nennt sie noch Nicopolis ad Haemum, Inschriften ab 136 verwenden den Namen Ulpia Nicopolis ad Istrum.
Trajan wollte offenbar eine prachtvolle Stadt schaffen, doch der monumentale Charakter stammt überwiegend aus der Zeit Hadrians und des Antoninus Pius. Die neue Agora besaß eine monumentale ionische Stoa und einen prunkvollen Saal unbekannter Funktion. In den Jahren 170 und 171 plünderten die Kostoboken, ein Stamm aus der heutigen Westukraine, die Stadt; bald danach entstanden Stadtmauern. Unter den Severern blühte sie erneut auf: 198 schrieben Septimius Severus und Caracalla einen Brief, in dem sie den Einwohnern für ein Fest und ein großzügiges Geschenk dankten. Caracallas Besuch 211/212 verlief offenbar nicht gut, denn der Ehrentitel Ulpia verschwindet aus den Inschriften und die Münzstätte wurde geschlossen, nach seinem Tod aber wieder eröffnet.
Um 250 besiegte Kaiser Decius in einer Schlacht bei der Stadt die Goten unter Kniva. Unter Diokletians Reformen wuchs Nicopolis weiter, und unter Konstantin ersetzten zwei neue Bauten mit Pfeilerschiffen, vermutlich Lagerhäuser für das Donauheer, beschädigte Gebäude im Norden der Agora. 447 zerstörten Attilas Hunnen die Stadt. Um die Mitte des 5. Jahrhunderts entstand an die alte Südmauer angelehnt eine deutlich kleinere befestigte Stadt mit etwa einem Viertel der ursprünglichen Fläche, die vor allem Militärbauten und Kirchen umfasste. Sie wurde Bischofssitz; von zwei frühen Bischöfen kennt man die Namen: Marcellus im Jahr 451 und Amantius im Jahr 518.
Ein besonders bemerkenswertes Kapitel ist sprachgeschichtlich. In den Jahren 347 und 348 durfte der gotische Bischof, Missionar und Übersetzer Wulfila mit Erlaubnis Kaiser Konstantius’ II. mit seiner Gemeinde in der Nähe der Stadt siedeln. Dort schuf er das gotische Alphabet und leitete die Übersetzung der Bibel vom Griechischen ins Gotische. Deshalb gilt der Ort gelegentlich als Wiege der germanischen Schrifttradition.
Im späten 7. Jahrhundert wurde die Stadt von Awaren und Slawen zerstört. Auf den Ruinen entstand später eine kleine bulgarische Siedlung, die vom 9. bis zum 14. Jahrhundert bestand. Seit 1900 erforschen Archäologen das Gelände, und die Grabungen bringen weiter Neues: 2015 wurden die Reste eines großen Gebäudes freigelegt, vermutlich Sitz eines Marktaufsehers, 2018 ein Altar für die Göttin Tyche mit einer griechischen Inschrift nach einem abgewandelten Epigramm, das Demosthenes zugeschrieben wird.
Wissenswertes über Nicopolis ad Istrum
- Der Thermoperipatos, ein beheizbares Gebäude mit Läden und überdachten Wandelgängen, 184/185 unter Commodus errichtet, ist bisher unter allen Städten des Römischen Reiches nur hier nachgewiesen.
- Der westliche Aquädukt war 25 km lang und überquerte das Rossiza-Tal auf einer fast 3 km langen Brücke von rund 18 bis 20 Metern Höhe; sein Wasser stammte aus dem Gebiet der Höhle bei Musina.
- Bei den Grabungen kamen die einzigen Säulen mit herzförmigem Querschnitt zutage, die in Bulgarien bekannt sind, dazu reich verzierte ionische Friese der Agora.
- Die Stadt besaß eine Hypokaustenheizung und sogar einen offenen Weg, der im Winter beheizt wurde.
- Der Obelisk des Quintus Julius, eines Aristokraten der Stadt, steht noch heute 14 Meter hoch auf dem Land bei Lesitscheri, etwa 12 km westlich der Ruinen.
- Die Stätte steht seit 1984 auf der Tentativliste der UNESCO und darf nicht mit der Donaustadt Nikopol verwechselt werden, die viel weiter westlich liegt.
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Nicopolis ad Istrum besuchen: Was es zu sehen gibt
- Das Reservat umfasst rund 21,5 Hektar. Zu sehen sind gepflasterte römische Straßen mit Abwasserkanälen, die Agora mit Säulengang, das Odeon, die Thermen und die Tore der Stadtmauer.
- Westlich der Stadt steht ein großes Wasserbecken, das Castellum aquae, das zum Aquäduktsystem gehört.
- Die Ruinen sind Berichten zufolge von Frühjahr bis Spätherbst für Besucher zugänglich; prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Öffnungszeiten.
- Viele Funde sind im Regionalen Historischen Museum in Weliko Tarnowo ausgestellt.
- Weliko Tarnowo mit seinen mittelalterlichen Hügeln und Kirchen ist der natürliche Ausgangspunkt für den Ausflug.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Nicopolis ad Istrum
Fotos: Nicopolis ad Istrum





Fragen
Was ist Nicopolis ad Istrum?
Nicopolis ad Istrum ist eine römische und frühbyzantinische Stadt in Nordbulgarien, die Kaiser Trajan um 102 bis 106 gründete. Die Ruinen bilden ein archäologisches Reservat.
Wo liegt Nicopolis ad Istrum und wie weit ist es von Weliko Tarnowo entfernt?
Die Ruinen liegen beim Dorf Nikjup, etwa 20 km nördlich von Weliko Tarnowo, an der Straße Richtung Russe und am Fluss Rossiza.
Warum wurde Nicopolis ad Istrum gegründet?
Trajan gründete die Stadt zum Andenken an seinen Sieg über die Daker und ihre Verbündeten und gab ihr seinen Familiennamen Ulpia.
Was macht Nicopolis ad Istrum besonders?
Es besitzt ein einzigartiges öffentliches Gebäude, den Thermoperipatos, einen langen Aquädukt mit hoher Brücke und eine Verbindung zu Wulfila, der in der Nähe das gotische Alphabet schuf.
Was kann man heute in Nicopolis ad Istrum sehen?
Zu sehen sind gepflasterte Straßen, die Agora mit Säulengang, das Odeon, Thermen, Teile von Mauern und Toren sowie Brunnen.
Lohnt sich ein Abstecher von Weliko Tarnowo?
Ja, für Interessierte an römischer Geschichte ist es ein bequemer Abstecher. Viele Funde aus der Stadt zeigt das Regionale Historische Museum in Weliko Tarnowo.
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