Marcellae (Markeli), die Grenzfestung bei Karnobat
Marcellae, bulgarisch Markeli, ist die Ruine einer spätantiken und mittelalterlichen Festung etwa 7,5 km von der Stadt Karnobat in Südostbulgarien. Sie sicherte den Weg zur frühen bulgarischen Hauptstadt Pliska und sah zwei berühmte Schlachten zwischen Byzantinern und Bulgaren. Gewaltige Erdwälle, Kirchenfundamente und ein Brunnenturm am Fluss machen sie zu einem schönen Geheimtipp für Geschichtsfreunde.
792 siegten die Bulgaren hier so gründlich, dass sie Zelt, Schatzkammer und Pferde des byzantinischen Kaisers erbeuteten. Heute sind nur begrünte Wälle und Kirchenruinen geblieben.
Die Geschichte von Marcellae
Marcellae liegt unmittelbar südlich des Balkangebirges, an der Westspitze der Hisar-Höhen, dort, wo der Fluss Motschuriza, ein Nebenfluss der Tundscha, das Becken von Karnobat verlässt. Menschen lebten hier lange vor dem Bau der Festung: In der Umgebung sind prähistorische und eisenzeitliche Siedlungen sowie römische Grabhügel nachgewiesen. Die Festung selbst stammt aus der Spätantike, der frühbyzantinischen Zeit. Ihre Mauern bestanden aus Bruchstein mit Ziegelbändern, und die Forscher ordnen sie der Regierungszeit von Anastasios I. (491–518) oder Justinian I. (527–565) zu. Die Wälle waren bis zu 10 Meter hoch, davor lagen mehr als 3 Meter tiefe Gräben.
Große strategische Bedeutung erlangte der Ort im späten 7. Jahrhundert, als ihn der Aufstieg des Ersten Bulgarischen Reiches zu einer Grenzfestung machte, die die Pässe von Rischki und Warbiza bewachte. Er war der Ausgangspunkt einer Kette bulgarischer Befestigungen entlang der Straße über das Gebirge zur frühmittelalterlichen Hauptstadt Pliska. Die Kontrolle wechselte zwischen Bulgaren und Byzantinern hin und her, die den Ort jeweils als Sprungbrett für Feldzüge nutzten. Erstmals bulgarisch wurde er 705, als Justinian II. ihn zusammen mit der ganzen Region Sagore abtrat.
Zwei Schlachten machten den Namen berühmt. Im Jahr 756 rückte der byzantinische Kaiser Konstantin V. nach Thrakien vor und traf bei Marcellae, damals eine Grenzfestung, auf die Bulgaren. Die Byzantiner siegten, und der bulgarische Herrscher Winech musste Geiseln nach Konstantinopel schicken, um einen weiteren Einfall zu verhindern. Im Jahr 792 stand die Festung erneut im Zentrum eines großen Konflikts, und diesmal erlitten die Byzantiner nach strategischen Fehlern eine schwere Niederlage: Die Bulgaren töteten einige persönliche Diener Konstantins VI. und mehrere bedeutende Feldherren und erbeuteten Zelt, Schatzkammer und Pferde des Kaisers. 811 brach das Heer Nikephoros’ I. von Marcellae zu seinem unglücklichen Feldzug gegen Bulgarien auf, bei dem der Kaiser sein Leben verlor.
Die byzantinische Geschichtsschreiberin Anna Komnena berichtet, dass ihr Vater Alexios I. im Jahr 1089 mit Petschenegen und Kumanen, die ihre Zelte bei Marcellae aufgeschlagen hatten, kämpfte und verhandelte. Die Festung blieb bis irgendwann im 12. Jahrhundert besetzt und bewohnt; bulgarische und deutsche Quellen vermuten, dass sie wahrscheinlich beim Kumanensturm auf das Byzantinische Reich 1090 zerstört wurde. Im Kirchenbereich der hohen Nordostecke liegen mehrere Schichten übereinander: ein Martyrium von etwa 3,8 mal 4 Metern vom Ende des 4. Jahrhunderts, eine große dreischiffige Basilika, die nach der Teilzerstörung des Martyriums im zweiten Viertel des 6. Jahrhunderts entstand, und, nach dem Verfall der Basilika im 7. oder 8. Jahrhundert, im 9. Jahrhundert eine kleinere Kreuzkuppelkirche.
Archäologische Untersuchungen laufen seit 1986. Besucher finden heute die gewaltigen Erdwälle aus der Zeit des Ersten Bulgarischen Reiches, die Ruinen der Basilika und die Reste eines Brunnenturms am Fluss, in der Nähe lagen eine antike Brücke und ein unterirdischer Gang. Eine russische Vermessungskarte aus den Jahren nach 1877 verzeichnet die Ruinen als „Tscherkes-köj“.
Kurioses über Marcellae
- Die Festung heißt griechisch Markellai und lateinisch Marcellae, die Form, die auch deutsche Quellen verwenden.
- Nach der Schlacht von 792 erbeuteten die Bulgaren Zelt, Schatzkammer und Pferde des byzantinischen Kaisers.
- Die Erdwälle sind so gewaltig, dass sie vom Fuß der Festung aus zunächst wie natürliche Hügel wirken; die Mulden dazwischen zeigen, wo die Erde ausgehoben wurde.
- Der Brunnenturm steht genau gegenüber dem einzigen Flussabschnitt der Umgebung mit flachem, felsigem Bett ohne Schlamm und Sumpf.
- Der Kirchenbereich zeigt drei Phasen am selben Ort: ein Martyrium des 4. Jahrhunderts, eine Basilika des 6. Jahrhunderts und eine Kreuzkuppelkirche des 9. Jahrhunderts.
- Ein Kap auf der Smith-Insel in der Antarktis trägt zu Ehren der mittelalterlichen Festung den Namen Markeli.
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Marcellae besuchen: das sollten Sie wissen
- Die Ruinen liegen etwa 7,5 km von Karnobat entfernt am Fluss Motschuriza; fragen Sie vor Ort nach der besten Zufahrt.
- Sehenswert sind die gewaltigen Wälle und Gräben, die Ruinen des Kirchenkomplexes im hohen Nordosten und der Brunnenturm nahe dem Fluss.
- Das Gelände ist ein ruhiges archäologisches Areal und keine aufbereitete Attraktion; festes Schuhwerk und unebener Boden sind einzuplanen.
- Ausstattung, Beschilderung und Zugangsbedingungen sind in den Quellen nicht beschrieben; prüfen Sie die aktuelle Lage vor der Anreise.
- Das Historische Museum Karnobat hat einen Teil des Materials für die veröffentlichten Beschreibungen der Festung bereitgestellt.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Marcellae
Fotos: Marcellae
Fragen
Was ist Marcellae (Markeli)?
Marcellae ist die Ruine einer spätantiken und mittelalterlichen Festung in der Gemeinde Karnobat in Südostbulgarien. Sie war eine Grenzfeste zwischen dem Byzantinischen und dem Ersten Bulgarischen Reich.
Wo liegt Marcellae und wie weit ist es von Karnobat entfernt?
Die Ruinen liegen etwa 7,5 km von der Stadt Karnobat in der Oblast Burgas, am Fluss Motschuriza.
Was geschah bei Marcellae 756 und 792?
756 besiegten die Byzantiner unter Konstantin V. hier die Bulgaren. 792 schlugen die Bulgaren unter Kardam Konstantin VI. und erbeuteten sein Zelt, seine Schatzkammer und seine Pferde.
Wie alt ist die Festung?
Sie wurde in der Spätantike erbaut, wohl unter Anastasios I. oder Justinian I., im späten 5. bis mittleren 6. Jahrhundert. Genutzt wurde sie bis irgendwann im 12. Jahrhundert.
Was kann man heute in Marcellae sehen?
Reste der Wälle und Gräben, die Ruinen frühchristlicher Kirchen im Nordosten und einen Brunnenturm am Fluss.
Lohnt sich der Abstecher nach Marcellae?
Für Geschichts- und Archäologiefans ja. Es ist ein ruhiger Ort mit dramatischer Vergangenheit an der alten Route nach Pliska, aber keine aufbereitete Sehenswürdigkeit.
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