Das Gräberfeld von Warna: prähistorische Gräber voller Gold
Das Gräberfeld von Warna ist eine prähistorische Nekropole im westlichen Industriegebiet von Warna, wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Seine kupfersteinzeitlichen Gräber lieferten etwa sechs Kilogramm Gold und gelten als eine der Schlüsselstätten der Weltvorgeschichte. Vor Ort ist wenig zu sehen, doch die Funde im Museum der Stadt machen es zu einem lohnenden Ziel für alle, die sich für das frühe Europa interessieren.
Ein Baggerfahrer stieß 1972 beim Ausheben eines Kabelgrabens auf Gräber aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. und auf rund 3000 Goldobjekte. Manche der reichsten Gräber enthielten gar keinen Toten.
Die Geschichte des Gräberfelds von Warna
Die Geschichte beginnt im Oktober 1972, als der Baggerfahrer Raitscho Marinow im westlichen Industriegebiet von Warna einen Graben für ein Erdkabel aushob. Im Aushub fielen ihm Metallobjekte und Steinwerkzeuge auf, und er übergab seine Funde an Museumsmitarbeiter. Am 30. Oktober gelangten die ersten Stücke ins Archäologische Museum Warna, und bald stand fest, dass der Bagger ein kupfersteinzeitliches Gräberfeld angeschnitten hatte; ein Grab war bereits zerstört. Es folgten systematische Grabungen unter Michail Lasarow und vor allem Iwan Iwanow, die mit Unterbrechungen bis 1991 dauerten.
Knapp 300 Gräber wurden dokumentiert, und etwa 30 Prozent des Gräberfelds sind bis heute nicht ausgegraben. Sie gehören zur Warna-Kultur, der lokalen Ausprägung des Komplexes Kodžadermen–Gumelnița–Karanovo VI, und die Radiokohlenstoffdatierung setzt die Bestattungen etwa zwischen 4600 und 4300 v. Chr. an. Manche Tote lagen seitlich in Hockerstellung, andere gestreckt auf dem Rücken. In den Gräbern fanden sich Keramik, Feuerstein- und Obsidianklingen, Kupferwerkzeuge, Perlen und Muscheln; berühmt machte den Ort jedoch das Gold: mehr als 3000 Objekte von rund sechs Kilogramm Gewicht, von Stirnreifen und Armreifen bis zu winzigen Perlen und stierförmigen Blechen, die auf Kleidung genäht waren.
Der Reichtum ist auffallend ungleich verteilt. Drei Gräber enthielten mehr als die Hälfte des gesamten Goldes, und in jedem lag ein Zepter. Grab 43 barg das Skelett eines etwa 40- bis 50-jährigen Mannes, umgeben von 990 Goldobjekten mit rund 1,5 Kilogramm Gewicht, einem Zepter, das einer Streitaxt ähnelt, und Kupferwerkzeugen; die Forschung deutet ihn als Clanchef, Priester oder Goldschmied. Viele der reichsten Gräber enthielten dagegen keinen Toten: Diese symbolischen Gräber, Kenotaphe genannt, waren mit Gold ausgestattet, und drei von ihnen bargen Masken aus schwach gebranntem Ton mit Golddekor. Eine Kette aus kurzen, zylindrischen Goldperlen aus Grab 3 gilt als frühester bekannter Goldschmuck.
Die Funde zeigen auch, wie weit die Verbindungen der Gemeinschaft reichten. Das Kupfer stammt aus Lagerstätten bei Stara Sagora, das Salz vermutlich aus dem Salzbergwerk von Prowadija, und Spondylusmuscheln aus dem Mittelmeer könnten als einfaches Zahlungsmittel gedient haben. Manche Forscher vermuten Kontakte bis zur unteren Wolga und zu den Kykladen. Insgesamt werden die Gräber als Beleg für Vorstellungen vom Jenseits und für deutliche Statusunterschiede gelesen; sie bieten den ältesten bekannten Bestattungsbeleg eines Mannes der Elite.
Seit 1973 reist das Gold von Warna um die Welt; 1982 wurde es sieben Monate lang in Japan mit großer Öffentlichkeit gezeigt. Später war es in vielen weiteren Ländern zu sehen und 1998 und 1999 erstmals in den USA. Heute sind die Objekte im Archäologischen Museum Warna und im Nationalen Historischen Museum in Sofia zu sehen, während die Debatte darüber, wie die Gesellschaft zu deuten ist, die ihre Toten so bestattete, weitergeht.
Kurioses über das Gräberfeld von Warna
- Das Gräberfeld wurde zufällig entdeckt: Der Baggerfahrer, dem im Oktober 1972 beim Ausheben eines Kabelgrabens Metall im Aushub auffiel, gilt als Entdecker.
- Mehrere der goldreichsten Gräber waren symbolisch und enthielten gar kein Skelett, nur Beigaben und in drei Fällen Tonmasken mit Golddekor.
- Allein Grab 43 enthielt 990 Goldobjekte, mehr Gold als das gesamte übrige Gräberfeld.
- Spondylusmuscheln aus dem Mittelmeer in den Gräbern könnten als primitive Form von Geld gedient haben.
- Karneolperlen aus den Gräbern haben regelmäßig 32 Facetten, wohl die früheste derartige Facettierung eines so harten Steins wie Chalcedon.
- 1982 wurden die Funde sieben Monate lang in Japan als „Das älteste Gold der Welt“ gezeigt; die Schau führte zu zwei abendfüllenden Fernsehdokumentationen.
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Das Gräberfeld von Warna und seine Funde besuchen
- Das Beste vom Gold zeigt das Archäologische Museum Warna, weitere Objekte das Nationale Historische Museum in Sofia; prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten.
- Das Gräberfeld selbst liegt in einem Industriegebiet am Warnasee. Die Quellen beschreiben keine Besuchereinrichtungen vor Ort; erkundigen Sie sich daher besser lokal, bevor Sie eigens hinfahren.
- Etwa 30 Prozent des Bestattungsareals sind noch nicht ausgegraben, das Bild der Stätte kann sich also noch verändern.
- In und um Warna lässt sich der Besuch mit den Römischen Thermen (rund 5 km), dem Palast Euxinograd (rund 11 km) und dem Kloster Aladscha (rund 14 km) verbinden.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Gräberfeld von Warna
Fotos: Gräberfeld von Warna





Fragen
Was ist das Gräberfeld von Warna?
Es ist eine kupfersteinzeitliche Nekropole im westlichen Industriegebiet von Warna, berühmt für rund 3000 Goldobjekte. Sie gilt als eine der Schlüsselstätten der Weltvorgeschichte.
Wie alt ist das Gold von Warna?
Die Radiokohlenstoffdatierung setzt die Gräber etwa zwischen 4600 und 4300 v. Chr. an. Das Gold gilt oft als ältestes bearbeitetes Gold der Welt.
Wie viel Gold wurde in Warna gefunden?
Es wurden mehr als 3000 Goldobjekte mit einem Gesamtgewicht von etwa sechs Kilogramm geborgen. Allein Grab 43 enthielt 990 Objekte.
Wo kann man das Gold von Warna sehen?
Die Funde sind im Archäologischen Museum Warna und im Nationalen Historischen Museum in Sofia ausgestellt. Prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten.
Wer entdeckte das Gräberfeld von Warna?
Es wurde im Oktober 1972 zufällig vom Baggerfahrer Raitscho Marinow gefunden. Die Grabungen leiteten danach Michail Lasarow und Iwan Iwanow.
Warum sind manche Gräber in Warna leer?
Manche Gräber enthalten kein Skelett, sondern nur Beigaben; man nennt sie Kenotaphe oder symbolische Gräber. Sie gehören zu den goldreichsten.
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