Perperikon, die thrakische Felsenstadt der Ostrhodopen
Perperikon ist ein riesiges Heiligtum, eine Festung und eine antike Stadt, in einen Vulkanhügel der Ostrhodopen gehauen, etwa 15 km nordöstlich von Kardschali. Jahrtausendelang wurde der Fels verehrt und bewohnt; die Anlage gilt als größte Megalithanlage des Balkans, mit rundem Felsaltar, Palastruinen und mittelalterlicher Festung. Sie ist eines der stimmungsvollsten archäologischen Ausflugsziele Bulgariens.
Manche Archäologen glauben, auf diesem in den Fels gehauenen Vulkanhügel habe das Orakel des Dionysos gestanden, ein Rivale von Delphi. Beweise fehlen, und andere Fachleute widersprechen entschieden.
Die Geschichte von Perperikon
Schon in der Kupfersteinzeit, etwa im 6. bis 5. Jahrtausend v. Chr., galt dieser Felshügel als heiliger Ort; Archäologen fanden Felsgruben, die mit zerschlagener Kultkeramik gefüllt waren. Die ersten klaren Siedlungsspuren stammen aus der Bronzezeit, und in der späten Bronze- und frühen Eisenzeit nahmen die Kulteinrichtungen stark zu. Aus dieser Zeit stammt der runde Altar von fast zwei Metern Durchmesser, der unmittelbar aus dem gewachsenen Fels geschlagen wurde, dazu Nischen und Becken, die vermutlich zum Keltern von Trauben und zur Weinherstellung dienten.
Antike Autoren berichten von einem berühmten Orakel des Dionysos in den Rhodopen, das der thrakische Stamm der Bessen hütete und das mit Delphi konkurrierte. Herodot erwähnt ein Bergorakel im Zusammenhang mit dem Feldzug des Xerxes 480 v. Chr., und spätere römische Autoren verbinden es mit Weissagungen für Alexander den Großen und für den Vater des Augustus, der die Flammen hoch über dem Altar auflodern sah. Der Archäologe Nikolaj Owtscharow, der die Grabungen seit 2000 leitet, hält dieses Heiligtum für Perperikon. Andere führende Thrakologen, darunter Walerija Fol, widersprechen, und ein endgültiger Beweis wurde nicht gefunden. Mit dem Hügel wird auch Medokos verbunden, der sich hier 424 v. Chr. zum König von Thrakien ausgerufen haben soll, aber gestürzt wurde.
Unter römischer Herrschaft umgab eine Festungsmauer von bis zu 2,8 Metern Stärke den Hügel, und im Fels entstand ein mehrgeschossiger Palast; innerhalb der Mauern standen Tempel und Wohnviertel. Damals hatte die Stadt ihre größte Ausdehnung. Goten brannten sie im 4. Jahrhundert n. Chr. nieder, doch im 5. und 6. Jahrhundert kehrte das Leben zurück, als sich das Christentum unter den Thrakern ausbreitete. Auf der Akropolis entstand eine einschiffige Basilika von etwa 16,5 Metern Länge; 2005 fanden Archäologen ihren reich verzierten Ambo mit einem Adler mit ausgebreiteten Flügeln und fünf griechischen Inschriften, den ersten seiner Art in Bulgarien.
Im Mittelalter war Perperikon Verwaltungs- und Kirchenzentrum der Ostrhodopen, und eine Patriarchatsurkunde von 1339 nennt sein Bistum. Ein Turm und Festungsmauern stammen etwa aus dem 12. bis 14. Jahrhundert, und Silbermünzen des Zaren Iwan Alexander belegen eine kurze bulgarische Herrschaft im Jahr 1343. Das Ende kam 1362, als osmanische Truppen die Feste eroberten und niederbrannten. Grabungen neben der Zitadelle brachten zerbrochene Waffen und Dutzende beschädigter christlicher Kreuze zutage, Zeugnisse heftiger Kämpfe. Die Osmanen unterhielten hier nur gut zwei Jahrzehnte eine Garnison und gaben den Ort dann auf.
Der alte Name überlebte nur im türkischen Namen eines Baches, Perperek-dere, und die Einheimischen nannten den Hügel „Gipfel der Geister“. Die Forschung begann in den 1930er-Jahren, doch das wahre Ausmaß der Anlage wurde erst nach dem Start der Großgrabungen im Jahr 2000 deutlich. Bisher ist nur ein kleiner Teil des riesigen Areals untersucht, und die Deutung vieler Funde bleibt umstritten.
Kurioses über Perperikon
- Die Einheimischen nannten den Hügel „Djin tepesi“, den Gipfel der Geister, ein türkischer Name, der sich über Generationen hielt.
- Das große, in den Fels gehauene Wasserbecken, etwa 12 Meter lang und 6 Meter tief, gilt als größtes antikes Felsbecken der Balkanhalbinsel.
- Alte Überlieferungen erzählen von Wein-und-Feuer-Ritualen auf einem besonderen Altar, wobei die Höhe der Flammen als Maß für die Kraft der Weissagung galt.
- Eine in den frühen 1980er-Jahren gefundene Steintafel wurde später als Linear A, die Schrift des bronzezeitlichen Kreta, bestimmt und soll die erste ihrer Art bei den Thrakern sein.
- Der Name hängt möglicherweise mit Gold zusammen: Manche Forscher leiten ihn von der byzantinischen Goldmünze Perpera ab, und in der Nähe liegen ein goldführender Fluss und eine große antike Goldmine.
- Ein Berg auf der Livingston-Insel in der Antarktis, Perperek Knoll, trägt den Namen der thrakischen heiligen Stadt, und 2025 wurde ein Asteroid Perperikon benannt.
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Perperikon besuchen: das sollten Sie wissen
- Der Aufstieg vom Parkplatz am Fuß des Hügels ist steil, stellenweise rutschig und dauert zu Fuß etwa eine halbe Stunde; festes Schuhwerk ist ratsam.
- Der Weg führt über Steinstufen und eine zwei Meter breite, in den Fels gehauene Trasse, und ein Steintor führt in den Palastbereich.
- Sehenswert sind das in den Fels gehauene Wasserbecken, die Grundmauern von Palast und Kirche sowie der runde Altar auf der Akropolis.
- Viele der wertvollsten Funde sind im Historischen Museum in Kardschali ausgestellt; prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten und Besuchsbedingungen.
- In der Umgebung liegen weitere Ziele, etwa die Festung Wischegrad in rund 12 km Entfernung und das thrakische Heiligtum von Tatul.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Perperikon
Fotos: Perperikon




Fragen
Was ist Perperikon?
Perperikon ist eine antike thrakische Felsenstadt und ein Heiligtum, später eine mittelalterliche Festung in den Ostrhodopen. Es gilt als größte Megalithanlage des Balkans.
Wo liegt Perperikon und wie weit ist es von Kardschali entfernt?
Es liegt etwa 15 km nordöstlich der Stadt Kardschali in Südbulgarien, auf einem Felshügel oberhalb des Dorfes Gorna Krepost.
War Perperikon das Orakel des Dionysos?
Antike Autoren beschreiben ein Dionysos-Orakel in den Rhodopen, und der Ausgräber Nikolaj Owtscharow hält es für Perperikon. Andere Thrakologen widersprechen, ein absoluter Beweis fehlt.
Wie alt ist Perperikon?
Der Fels war schon in der Kupfersteinzeit, etwa im 6. bis 5. Jahrtausend v. Chr., ein heiliger Ort. Die Stätte wurde in thrakischer, römischer, byzantinischer und bulgarischer Zeit bis zur osmanischen Eroberung 1362 genutzt.
Wie anstrengend ist der Aufstieg nach Perperikon?
Der Aufstieg vom Fuß des Hügels ist steil und stellenweise rutschig und dauert etwa eine halbe Stunde. Festes Schuhwerk wird empfohlen.
Was gibt es in der Nähe von Perperikon noch zu sehen?
Die Festung Wischegrad ist rund 12 km entfernt, das thrakische Heiligtum von Tatul liegt in derselben Region. Das Museum in Kardschali zeigt viele Funde aus Perperikon.
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