Novae, das römische Legionslager und die Stadt an der Donau
Novae war ein römisches Legionslager am Südufer der Donau, etwa 4 km östlich von Swischtow in Nordbulgarien. Als Teil der Grenzlinie des Limes Moesiae wuchs es später zu einer Stadt und einem Bischofssitz heran. Es gehört zu den wenigen Lagern am Limes, die ausgegraben und für Besucher geöffnet sind, und ist ein lohnender Abstecher an der Donau.
Römische Soldaten wurden hier in einem eigens errichteten Lazarett behandelt, dessen Mauern noch bis zur Fensterhöhe stehen. Später wurde das Lager zur Bischofsstadt, und die Flur heißt bis heute „Denkmäler“.
Die Geschichte von Novae
Nachdem Augustus 30 v. Chr. Alleinherrscher geworden war, verlegte Rom seine südosteuropäische Grenze von Makedonien an die Donau, die als großer Wasserweg die Versorgung der Heere ermöglichte. Marcus Licinius Crassus führte einen Feldzug gegen die Moesier, und um 6 n. Chr. wurde das Gebiet zur Provinz Moesia. Um 45 n. Chr. gründete die Legio VIII Augusta, die an der Niederschlagung des thrakischen Aufstands beteiligt gewesen war, in Novae ein Lager. Der Ort kontrollierte einen Flussübergang und den Donauabschnitt von der Mündung des Osam bis zur Mündung der Jantra.
Nach Neros Tod ordnete Kaiser Vespasian die Legionen neu, und 69/70 n. Chr. löste die Legio I Italica die achte ab. Sie blieb mindestens bis in die 430er-Jahre in Novae. Im Jahr 86 wurde die Provinz geteilt, und Novae wurde zusammen mit Durostorum einer von zwei Legionsstandorten in Moesia Inferior. Dem Heer folgten Handwerker, Händler und anderer Tross, die neben dem Lager eine Zivilsiedlung, die Canabae, gründeten; rund 3 km östlich entstand mit Ostrite Mogili eine weitere Siedlung. Bis in flavische Zeit bestanden die Mauern aus Erde und Holz; in Trajans Feldzügen wurden sie durch bis zu 3 m dicke Steinmauern mit quadratischen Türmen ersetzt. Zugleich entstanden das monumentale Stabsgebäude, die Principia, mit einer neuen Basilika, und ein Lazarett, das Valetudinarium, an der Stelle der früheren flavischen Thermen. Seine größte Blüte erlebte Novae unter den Severern.
Im Jahr 250 griff der Gotenkönig Kniva Novae an. Das Lager selbst blieb unbeschädigt, doch die Zivilsiedlungen ringsum wurden zerstört, und in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts wurde es mehrfach angegriffen. Ab dem 4. Jahrhundert wurde die Legion in Abteilungen aufgeteilt, die kleine Kastelle besetzten, und zivile Bauten machten den Hauptteil der Innenbebauung aus. Neue Straßen wurden mit wiederverwendeten, oft beschrifteten Steinen gepflastert, und in und um die Stadt entstanden viele Glaswerkstätten. Ein Gebiet von 8 Hektar östlich des Legionslagers wurde von neuen Mauern umschlossen. Die letzten Belege für die Legion sind Inschriften aus den Jahren 430, 431 und 432.
Im späten 5. und im 6. Jahrhundert war Novae Bischofssitz. Die Kathedrale und die umliegenden Gebäude wurden über den Legionskasernen westlich des früheren Stabsgebäudes errichtet. Die letzte Blütezeit fiel in die Regierung Justinians (527–565), als die Mauern wiederhergestellt und verstärkt wurden, doch Angriffe von Slawen und Awaren beendeten schließlich die antike Stadt. Im 9. bis 11. Jahrhundert gab es im Westen noch eine Kirche und einen Friedhof. Die Stadt schenkte der Orthodoxie auch einen Heiligen: Lupus, einen Sklaven des heiligen Demetrios, der durch Enthauptung das Martyrium erlitt.
Die moderne Erforschung begann im 19. Jahrhundert und gewann nach 1960 an Fahrt, als Expeditionen polnischer Universitäten systematisch zu arbeiten begannen. Neuere Grabungen legten die Via principalis und weitere Gebäude frei, und 2018 wurden in der Nähe mögliche Gräber römischer Soldaten entdeckt.
Wissenswertes über Novae
- Das Valetudinarium, an der Stelle früherer Thermen errichtet, gilt als das besterhaltene Legionslazarett im Römischen Reich; Mauerreste ragen noch bis zur Höhe der Fensternischen auf.
- Die Krankenräume waren in Dreiergruppen um einen Hof angeordnet, in dessen Mitte ein kleiner Schrein der Heilgötter stand, mit einem Altar für Asklepios, gestiftet von der gesamten Legion.
- Die Flur heißt Pametnizite, „die Denkmäler“, und hieß früher Stuklen, nach dem bulgarischen Wort für Glas, wegen der vielen antiken Glasscherben, die dort gefunden wurden.
- Drei Aquädukte versorgten Lager, Thermen und Stadt, einer davon war mindestens 9 km lang.
- Im Nordosten des Lagers vermutet man ein Militäramphitheater, und das Gelände südöstlich und östlich des Lagers war eine große Nekropole, die kürzlich ausgegraben wurde.
- Zu den Funden der Stätte gehören ein Panther aus Bronze, der Bronzekopf eines Knaben und ein Marmorkopf des Heilgottes Asklepios.
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Novae besuchen: Was es zu sehen gibt
- Das Legionslager bedeckt rund 18 Hektar an einem Hang über der Donau; hauptsächlich der zentrale Teil ist ausgegraben und restauriert.
- Achten Sie auf das Stabsgebäude mit seiner Basilika und auf die Fundamente des Legionslazaretts mit seinem Hof.
- Die Reste des spätantiken Bischofskomplexes über den alten Kasernen zeigen, wie aus dem Militärlager eine christliche Stadt wurde.
- Planen Sie Zeit für einen Gang über die Terrassen ein: Der Hang erlaubt einen Blick auf den Grundriss des Lagers.
- Swischtow, 4 km entfernt, ist die nächste Stadt; prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Öffnungszeiten und Zugangsbedingungen.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Novae
Fotos: Novae





Fragen
Was ist Novae?
Novae war ein römisches Legionslager an der Donau in Nordbulgarien, später Stadt und Bischofssitz. Es gehörte zur Grenzverteidigung des Limes Moesiae.
Wo liegt Novae und wie weit ist es von Swischtow entfernt?
Novae liegt am Südufer der Donau, etwa 4 km östlich von Swischtow, in der Flur Pametnizite.
Welche römischen Legionen waren in Novae stationiert?
Die Legio VIII Augusta gründete das Lager um 45 n. Chr., ab 69/70 war dort die Legio I Italica stationiert, mindestens bis in die 430er-Jahre.
Was ist an Novae besonders?
Das Legionslazarett gilt als das besterhaltene seiner Art im Römischen Reich, und das Lager ist eines der wenigen am Donaulimes, die Besucher offenstehen.
Wie groß war das Lager?
Das Legionslager bedeckte etwa 18 Hektar. In spätrömischer Zeit umfasste die Stadt zusammen mit dem früheren Lager rund 26 Hektar.
Wer erforscht die Stätte heute?
Archäologische Expeditionen polnischer Universitäten arbeiten seit 1960 in Novae, gemeinsam mit bulgarischen Archäologen.
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