Mesembria, die antike Stadt unter Nessebar
Mesembria ist die antike Stadt, deren Überreste in und um das heutige Nessebar liegen, auf einer kleinen Halbinsel an der Schwarzmeerküste, am nördlichen Ausgang des Golfs von Burgas. Aus einer thrakischen Siedlung wurde eine griechische Kolonie, dann eine römische Stadt, und ihre Mauern und ihr Tor stehen stellenweise noch. Bei einem einzigen Rundgang lassen sich die Schichten von dreitausend Jahren Geschichte ablesen.
Ihr Name endet auf das thrakische Wort „bria“ für Stadt, und doch war sie die einzige dorische Kolonie an der ganzen Schwarzmeerküste, wo alle anderen ionisch waren.
Die Geschichte von Mesembria
Lange vor den Griechen stand auf der kleinen Halbinsel, auf der heute Nessebar liegt, eine thrakische Siedlung. Ihre Bewohner begannen sie um das 8. Jahrhundert v. Chr. zu befestigen; am Nordwestufer wurde ein Mauerabschnitt samt Tor freigelegt, aus Bruchstein und Lehm gebaut und noch etwa zwei Meter hoch erhalten. Antike Autoren überliefern den frühen Namen als Menebria oder Melsembria, nach einem Gründer namens Menas oder Melsas, und erklären die Endung „-bria“ als thrakisches Wort für „Stadt“. Ein Teil der ältesten Siedlung wurde später vom Meer verschluckt.
Griechische Siedler folgten um die Wende vom 6. zum 5. Jahrhundert v. Chr. Antike und moderne Autoren sind sich über das genaue Datum und die Mutterstädte uneinig und nennen Megara, Byzantion und Kalchedon in verschiedenen Kombinationen. Mesembria war die einzige dorische Kolonie an der Schwarzmeerküste, wo alle übrigen ionisch waren, und eine der Städte der griechischen Pentapolis am Schwarzen Meer. Mit zwei Häfen, einem im Norden und einem im Süden, kam die Stadt durch den Handel zu Wohlstand. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. prägte sie eigene Bronze- und Silbermünzen, seit dem 3. Jahrhundert auch Goldmünzen; typische Motive waren ein Helm auf der Vorder- und ein Rad auf der Rückseite. 425/4 v. Chr. trat sie dem von Athen geführten Attisch-Delischen Seebund bei; Schutzgottheit war Apollon, dessen Tempel in Inschriften erwähnt wird.
Zwischen Mesembria und Apollonia (dem heutigen Sozopol), einer ein Jahrhundert älteren Kolonie, entstand eine heftige Rivalität. Als die Apolloniaten Anchialos gründeten und mit Salz zu handeln begannen, kam es zum Krieg: Die Mesembrier eroberten Anchialos und seine Salzgärten, doch Apollonia gewann im Bündnis mit Istria den Krieg und drängte sie zurück. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. errichteten die Bürger eine Mauer um die ganze Halbinsel, die Griechen und Römer immer wieder ausbesserten. 72/71 v. Chr. eroberten die Legionen des Marcus Lucullus die Stadt, doch sie behielt Privilegien wie das Münzrecht.
Auf der Agora standen Tempel des Zeus und des Apollon, des Stadtbeschützers, daneben gab es Heiligtümer des Asklepios, der Hekate, der Isis und des Dionysos. Die in der Stadt lebenden Thraker verehrten ihren eigenen Gott, den Thrakischen Reiter. Inschriften weisen auf ein Theater hin, das im späten 4. oder frühen 3. Jahrhundert v. Chr. gebaut wurde und dessen Überreste noch nicht gefunden sind; dazu gab es große Thermen. Mit dem Christentum wurden viele heidnische Tempel zu Kirchen; Ende des 5. und Anfang des 6. Jahrhunderts entstand auf dem Hauptplatz die Basilika der Hagia Sophia, im Norden die Meeresbasilika der Gottesmutter Eleusa. Mitte des 5. Jahrhunderts errichteten die Byzantiner neue Mauern in Opus mixtum, mit abwechselnden Stein- und Ziegelbändern. Am besten erhalten ist der Abschnitt um das Stadttor auf der Westseite, flankiert von zwei rechteckigen sowie halbrunden und runden Türmen.
812 eroberte Khan Krum Mesembria und gliederte es in den bulgarischen Staat ein. Die Mauer wurde niedergerissen und Ende des 9. Jahrhunderts aus Ziegeln wieder aufgebaut, Mitte des 11. Jahrhunderts erneut ausgebessert und unter Zar Iwan Alexander zum letzten Mal erneuert. Bis Ende des 14. Jahrhunderts wechselte die Stadt häufig zwischen Bulgaren und Byzantinern; 1366 nahmen Kreuzfahrer unter Amadeus VI. von Savoyen sie ein und übergaben sie den Byzantinern. Zwischen 1961 und 1972 leitete die Archäologin Ljuba Ognenowa-Marinowa sechs Unterwasserexpeditionen, die half, fünf Phasen der Stadtentwicklung auf der Halbinsel zu unterscheiden.
Kurioses über Mesembria
- Strabon und Stephanos von Byzanz erklären die Endung „-bria“ als thrakisches Wort für „Stadt“, nennen aber verschiedene Gründer, Menas und Melsas.
- Mesembria war die einzige dorische Kolonie an der Schwarzmeerküste; alle übrigen waren ionisch.
- Auf den Münzen der Stadt sieht man häufig einen Helm auf der einen und ein Rad, ein Sonnensymbol, auf der anderen Seite.
- Ein Theater ist nur aus Inschriften bekannt; seine Überreste wurden nie gefunden.
- Die antike Stadt hatte zwei Häfen, einen im Norden und einen im Süden der Halbinsel, und ein Teil der ältesten Siedlung liegt heute unter dem Meer.
- Die alte Rivalin Apollonia gewann den Krieg um die Salzgärten von Anchialos mit Hilfe eines Bündnisses mit Istria.
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Das antike Mesembria besuchen: das sollten Sie wissen
- Die antike Stadt liegt unter der Altstadt von Nessebar, ein Spaziergang über die Halbinsel führt daher an Mauern, Tor und Kirchen zugleich vorbei.
- Achten Sie auf die thrakische Mauer mit Tor am Nordwestufer und auf die frühbyzantinischen Mauern rund um das westliche Stadttor.
- Zu den hellenistischen Überresten zählen laut den Quellen Akropolis, Apollontempel und Agora.
- Das Archäologische Museum Nessebar gehört zu den genannten Sehenswürdigkeiten; prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten.
- Kirchen wie die Hagia Sophia, die Eleusa-Basilika und Christus Pantokrator gehören zu späteren Schichten derselben Stadt.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Mesembria
Fragen
Was war Mesembria?
Mesembria war eine bedeutende antike Stadt an der Schwarzmeerküste, gegründet an der Stelle einer thrakischen Siedlung und von Griechen kolonisiert. Heute liegt sie unter Nessebar.
Wo liegt das antike Mesembria und wie kommt man hin?
Es liegt auf der Halbinsel Nessebar an der bulgarischen Schwarzmeerküste, am nördlichen Ausgang des Golfs von Burgas, und ist per Straße nach Nessebar erreichbar.
Wer gründete Mesembria?
Die Quellen sind sich nicht einig. Siedler aus Megara, Byzantion und Kalchedon werden in verschiedenen Kombinationen genannt, und die Kolonie entstand auf einer älteren thrakischen Stadt.
Wie alt ist Mesembria?
Die Thraker befestigten die Siedlung um das 8. Jahrhundert v. Chr., die griechische Kolonie stammt laut polnischer Quelle von etwa 510 v. Chr., doch die Datierungen weichen voneinander ab.
Was ist vom antiken Mesembria heute zu sehen?
Überreste von Akropolis, Apollontempel und Agora, thrakische und byzantinische Mauern und mehrere frühe Kirchen; Funde zeigt das Archäologische Museum Nessebar.
War Mesembria jemals bulgarisch?
Ja. Khan Krum eroberte es 812, und im Mittelalter wechselte es bis Ende des 14. Jahrhunderts mehrfach zwischen Bulgaren und Byzantinern.
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