Herakleia Sintike, die bei Rupite wiederentdeckte antike Stadt
Herakleia Sintike ist eine antike Stadt im Strumatal in Südwestbulgarien; ihre Ruinen liegen beim Dorf Rupite in der Gemeinde Petrich am Fuß des vulkanischen Kožuh-Hügels. In hellenistischer Zeit gegründet und unter Rom noch lebendig, blieb sie lange ein Rätsel auf der Landkarte. Seit 2007 bringen Grabungen immer neue Überraschungen, vom Marmor-Hermes bis zur Werkstatt für Keramikmasken.
Über hundert Jahre stritten Gelehrte, wo diese Stadt lag, und lange suchte man sie jenseits der Grenze in Griechenland. Der Zufallsfund einer lateinischen Inschrift 2002 entschied die Frage.
Die Geschichte von Herakleia Sintike
Herakleia Sintike lag an einer Handelsroute im Tal der Struma, dem Strymon der Antike, und trug zuerst den Namen Sintike nach den thrakischen Sintern, die in der Region lebten. Der römische Historiker Livius verortet die Stadt in ihrem Gebiet. Über den Anfang gehen die Angaben auseinander. Nach dem englischsprachigen Artikel gründete Philipp II. von Makedonien die Stadt um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. mit makedonischen Siedlern aus Herakleia in Mygdonien. Bulgarische Forscher setzen die Gründung anhand von Funden aus dem Gräberfeld und von Münzen in die letzten Jahrzehnte desselben Jahrhunderts und vermuten, dass Philipp V. Sintike später in Herakleia umbenannte.
Unter den Antigoniden war Herakleia eine der makedonischen Städte. Als Rom Makedonien 167 v. Chr. in vier Teile gliederte, nennt Livius die Stadt unter den Orten westlich des Strymon im ersten Teil. Antike Autoren erwähnen den aus der Stadt stammenden Feldherrn Asklepiodotos und Demetrios, den Sohn Philipps V., der hier getötet wurde. Die Stadt prägte eigene Münzen, von denen einige erhalten sind. Im Jahr 350 n. Chr. trafen die Gesandten des Usurpators Magnentius in Herakleia Sintike auf Kaiser Constantius II. und schlugen Frieden vor, den dieser ablehnte.
Im Jahr 308 n. Chr. schrieben Kaiser Galerius und der Caesar Maximinus Daia an die Bürger, als Antwort auf deren Bitte, verlorene Stadtrechte zurückzuerhalten. Später traf ein schweres Erdbeben die Stadt; die Quellen datieren es auf 388 oder um 425 n. Chr. Es zerstörte einen großen Teil der Infrastruktur, darunter die Stadtbasilika, und der nahe Fluss Strumeschniza überflutete das Forum. Nach 457 siedelten sich kleine Gruppen wieder zwischen den Ruinen an, doch um 500 war keine dauerhafte Besiedlung mehr erkennbar, und die Stadt war faktisch aufgegeben. Das städtische Leben verlagerte sich später in die antike Stadt beim heutigen Sandanski.
Mehr als hundert Jahre konnten sich die Gelehrten nicht einigen, wo die Stadt lag; oft suchte man sie südlich der Rupel-Schlucht, im heutigen Griechenland. Im März 2002 wurde bei Rupite zufällig eine große Marmorstele mit einem lateinischen Text von 24 Zeilen entdeckt, dem Brief von 308. Georgi Mitrev von der Universität Plowdiw übersetzte und veröffentlichte ihn, und eine zweite, vor 2005 veröffentlichte Inschrift, die einen Bürger von Herakleia nennt, bestätigte, dass es sich um Herakleia Sintike handelt und nicht um eine der vielen anderen Städte dieses Namens.
Atanas Milchev grub 1958 kurz an der Stätte, doch systematische Ausgrabungen begannen 2007 unter Ljudmil Wagalinski; der Ort ist mit dem Historischen Museum in Petrich verbunden. Eine geophysikalische Untersuchung zeigte eine Werkstatt für Keramikmasken, wohl für ein bislang nicht gefundenes Theater. 2024 stießen die Archäologen in einem antiken Abwasserkanal auf eine fast zwei Meter hohe Marmorstatue des Hermes, sorgfältig hingelegt und mit Erde bedeckt, offenbar absichtlich. Spätere Kampagnen in der westlichen Nekropole brachten ein spätrömisches Porträtrelief, eine Figur der keltischen Göttin Epona und 2026 das Grab einer Frau aus dem 4. Jahrhundert von offenbar hohem Rang.
Kurioses über Herakleia Sintike
- Über hundert Jahre stritten Gelehrte über die Lage der Stadt, und lange vermutete man sie südlich der Rupel-Schlucht, im heutigen Griechenland.
- Der entscheidende Fund war ein Zufall: Eine große lateinische Inschrift von 2002 trug einen Brief von 24 Zeilen des Kaisers Galerius aus dem Jahr 308.
- Die 2024 gefundene Hermes-Statue war sorgfältig in einen antiken Abwasserkanal gelegt und mit Erde bedeckt worden, was darauf hindeutet, dass die Bürger sie absichtlich vergruben.
- Eine geophysikalische Untersuchung brachte ein Atelier für Keramikmasken zutage, offenbar für ein antikes Theater, das noch immer nicht entdeckt ist.
- Zu den Funden der Saison 2025 zählt eine Figur der Epona, einer keltischen Göttin, weit entfernt von den Gebieten, mit denen ihr Kult meist verbunden wird.
- Die Stätte gehört zu den 100 nationalen touristischen Objekten, die der Bulgarische Tourismusverband zusammengestellt hat.
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Herakleia Sintike besuchen: das sollten Sie wissen
- Die Ruinen liegen am Südhang und am Fuß des Dschonkow Wrach, Teil des vulkanischen Kožuh-Hügels, neben dem Dorf Rupite.
- Seit 2007 wird gegraben, daher kann sich das Sichtbare von Saison zu Saison ändern; prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Zugangsbedingungen und Öffnungszeiten.
- Die Stätte ist mit dem Historischen Museum in Petrich verbunden; dort können Sie nach den Funden und der Ausstellung fragen.
- Das Kordopulov-Haus (rund 14 km) und das Kloster Rozhen (rund 16 km) sind die nächsten weiteren Orte in diesem Führer.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Herakleia Sintike
Fotos: Herakleia Sintike

Fragen
Was ist Herakleia Sintike?
Herakleia Sintike ist eine antike griechische und später römische Stadt im Strumatal in Südwestbulgarien. Ihre Ruinen werden beim Dorf Rupite ausgegraben.
Wo liegt Herakleia Sintike?
Sie liegt beim Dorf Rupite in der Gemeinde Petrich, am Südhang und am Fuß des Dschonkow Wrach, Teil des vulkanischen Kožuh-Hügels.
Wie wurde Herakleia Sintike gefunden?
Über ihre Lage wurde mehr als ein Jahrhundert gestritten. 2002 fand man bei Rupite eine große lateinische Inschrift, einen Brief des Kaisers Galerius von 308, und eine zweite Inschrift bestätigte später die Zuordnung.
Wie alt ist Herakleia Sintike?
Die Stadt stammt aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., wobei die Quellen uneins sind, ob Philipp II. sie gründete oder ein späterer makedonischer König sie umbenannte. Nach einem Erdbeben verfiel sie und war um 500 n. Chr. aufgegeben.
Kann man in Herakleia Sintike Ausgrabungen sehen?
Seit 2007 wird systematisch gegraben, die Lage vor Ort ändert sich also. Prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Zugangsbedingungen und Öffnungszeiten.
Was gibt es in der Nähe von Herakleia Sintike noch zu sehen?
Das Kordopulov-Haus ist etwa 14 km entfernt, das Kloster Rozhen etwa 16 km.
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