Hidden Bulgaria
ENBGDEROPL
Ausgegrabenes Gebäude 9 bei Durankulak
Thrakisch & römischSchwarzmeerküste

Archäologischer Komplex Durankulak, das vorgeschichtliche Inseldorf

Der archäologische Komplex Durankulak liegt rund um den Durankulaksee im Nordosten Bulgariens. Sein Kern ist ein vorgeschichtlicher Siedlungshügel auf der Großen Insel, am Ufer liegt eine riesige vorgeschichtliche Nekropole, und in der Nähe finden sich Spuren thrakischen, hellenistischen und mittelalterlichen Lebens. Ein stiller, wenig besuchter Ort für alle, die sich für die frühesten Bauern Europas interessieren.

Auf einer kleinen Insel in einem See am Schwarzen Meer standen Häuser mit Steinfundamenten an planmäßig angelegten Gassen, neben einem Gräberfeld, das als größtes bekanntes vorgeschichtliches gilt.

WoNordostbulgarien, rund um den Durankulaksee beim Dorf Durankulak in der Dobrudscha
ArtVorgeschichtlicher Siedlungshügel, Nekropole und spätere thrakische, hellenistische und mittelalterliche Überreste
Ideal fürArchäologiefans, Liebhaber stiller Seelandschaften und alle, die sich für Europas früheste Bauern interessieren
AnreisePer Straße zum Dorf Durankulak; die Große Insel liegt im nahen See, die Funde sind in Museen zu sehen

Die Geschichte des archäologischen Komplexes Durankulak

Die ersten Menschen siedelten am Südwestufer des heutigen Durankulaksees, etwa zwischen 5500 und 5100 v. Chr. Ihr spätneolithisches Dorf hatte teilweise eingetiefte, eingeschossige Häuser mit Kuppeldächern. Es ist die früheste neolithische Präsenz in der Dobrudscha und gehört zur ältesten Phase der Hamangia-Kultur, die nach dem früheren Namen des Sees Blatniza genannt wird. Damals gab es den See in heutiger Form noch nicht; ein Flusstal wurde mit dem Anstieg des Schwarzen Meeres zu einer Lagune.

Um 5100 bis 5000 v. Chr. zogen die Dorfbewohner auf eine natürlich geschützte Halbinsel gegenüber dem Ufer, die heutige Große Insel mit rund zwei Hektar Fläche. Dort bestand bis etwa 3800 v. Chr. eine kupfersteinzeitliche Siedlung, von der mehr als zwei Dutzend Gebäude untersucht wurden. Anders als in den meisten Balkandörfern jener Zeit standen die Häuser auf Fundamenten aus großen Steinplatten, darauf Lehmwände. Sie maßen 80 bis 250 Quadratmeter, waren durch etwa ein bis eineinhalb Meter breite Gassen getrennt und so sorgfältig geplant, dass der Grundriss eines Gebäudes zuvor mit kleinen Kieseln auf dem Boden markiert wurde. Der Hügel hat acht Horizonte, die beiden ältesten gehören zur Hamangia-Kultur, die jüngeren zur Warna-Kultur. Ein großes öffentliches Gebäude von über 220 Quadratmetern gilt als Palast, Tempel oder Verwaltungsbau, und in einem anderen Haus fanden sich Spuren von Wandmalerei mit mineralischen Farben.

Südlich des ersten Dorfes, am Ufer, lag die Nekropole. Über 1400 Bestattungen wurden lokalisiert, 1204 untersucht; sie gilt als größtes bekanntes vorgeschichtliches Gräberfeld der Welt. Sie wurde über tausend Jahre lang bis etwa 3800 v. Chr. genutzt. Männer lagen auf dem Rücken mit dem Kopf nach Norden, Frauen und Kinder als Hocker auf der Seite, umgeben von Werkzeugen, Nahrung, Gefäßen, Schmuck und Figuren. Aus dem Mittelmeer stammende Spondylus-Muscheln wurden zu Schmuck verarbeitet. Die Gemeinschaft bearbeitete auch Gold und Kupfer. Später verschlechterte sich das Klima, das Meer stieg, und die Region entvölkerte sich; manche Forscher deuten die Funde im Licht der Hypothese einer Schwarzmeerflut.

Doch die Menschen kehrten zurück. Im 13. Jahrhundert v. Chr. entstand am Südhang der Insel eine befestigte thrakische Siedlung, die als einzige vollständig untersuchte Stätte der Balkanhalbinsel aus der Zeit des Trojanischen Krieges beschrieben wird. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde ein hellenistisches Höhlenheiligtum der Göttin Mama, mit Kybele verbunden, in den Fels geschlagen, und eine hellenistische Nekropole am Westufer wurde fast 700 Jahre lang genutzt. Im 9. Jahrhundert bedeckte eine befestigte protobulgarische Siedlung die ganze Insel bis zum frühen 11. Jahrhundert, mit einer Kirche; 1978 wurde hier ein protobulgarischer Kalender gefunden.

Die Forschung begann 1974 unter Henrieta Todorowa, Kiril Botow und Todor Dimow. Die Feldarbeit ruhte ab 2005 und wurde 2015 unter Iwan Wajsow und Wladimir Slawtschew wieder aufgenommen, die digitale Aufzeichnung und Photogrammetrie einführten. Die meisten Funde liegen im Historischen Museum in Dobritsch, eine kleine Sammlung ist in Durankulak selbst zu sehen, und wertvolle Stücke besitzt das Nationale Historische Museum in Sofia.

Kurioses über Durankulak

  • Laut englischer Wikipedia wurden bei den Grabungen zwischen 1974 und 1997 1204 vorgeschichtliche Bestattungen dokumentiert und die Reste von 25 Häusern gefunden.
  • Der Grundriss eines Hauses wurde zuvor mit kleinen Kieseln auf dem Boden markiert, ein Zeichen dafür, dass das Dorf geplant war, bevor es gebaut wurde.
  • In den späteren Phasen standen die vorgeschichtlichen Gebäude so dicht beieinander, dass nur wenige Dutzend Zentimeter zwischen ihnen lagen.
  • Spondylus- und Dentalium-Muscheln aus dem Mittelmeer erreichten diesen See und dienten als Schmuck und nach Ansicht mancher Forscher auch als eine Art Zahlungsmittel.
  • Ein in den Fels der Großen Insel gehauenes Höhlenheiligtum der Göttin Mama gilt als das einzige seiner Art, das in Europa gefunden wurde.
  • 1978 fand man hier einen protobulgarischen Kalender aus dem 7. bis 10. Jahrhundert.

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Einige Beschreibungen sind maschinell übersetzt.

Durankulak besuchen: das sollten Sie wissen

  • Der Komplex umgibt den Durankulaksee, mit dem Siedlungshügel der Großen Insel als Kern; klären Sie vor Ort den aktuellen Zugang zu den Grabungsbereichen.
  • Laut englischer Wikipedia sind Steinstrukturen und Hausfundamente gut erhalten, und man kann eine Höhle und einige Zisternen sehen.
  • Die meisten Funde sind im Historischen Museum in Dobritsch, eine kleine Sammlung im Dorf Durankulak und wertvolle Stücke im Nationalen Historischen Museum in Sofia.
  • Prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten und Besuchsbedingungen der Museen.
  • Der Leuchtturm Schabla ist rund 16 km entfernt, der Leuchtturm Kaliakra etwa 35 km; die Stätte passt gut zu einem Küstenausflug.

Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.

Karte: Lage von Archäologischer Komplex Durankulak

Fotos: Archäologischer Komplex Durankulak

Skelett aus der Nekropole von Durankulak, in einem Museum in Sofia ausgestellt
Kupfersteinzeitliche Keramik aus Durankulak
Ausgegrabenes Gebäude 8 auf der Großen Insel bei Durankulak
Ausgegrabenes Gebäude 24 auf der Großen Insel bei Durankulak
Keramikschale aus dem 5. Jahrtausend v. Chr., Durankulak

Fragen

Was ist der archäologische Komplex Durankulak?

Es ist eine vielschichtige archäologische Stätte rund um den Durankulaksee in Nordostbulgarien, mit einem vorgeschichtlichen Siedlungshügel auf der Großen Insel, einer großen vorgeschichtlichen Nekropole und späteren Überresten.

Wo liegt Durankulak und was ist die Große Insel?

Durankulak liegt im Nordosten Bulgariens in der Dobrudscha. Die Große Insel ist eine natürlich geschützte Halbinsel im See von etwa zwei Hektar, auf der die vorgeschichtliche Siedlung stand.

Wie alt ist die Siedlung von Durankulak?

Das früheste Dorf am Seeufer stammt aus der Zeit um 5500 bis 5100 v. Chr., die Inselsiedlung bestand bis etwa 3800 v. Chr. Später folgten thrakische, hellenistische und mittelalterliche Siedlungen.

Was ist am Gräberfeld von Durankulak besonders?

Über 1400 Bestattungen wurden lokalisiert, 1204 untersucht; es gilt als größtes bekanntes vorgeschichtliches Gräberfeld der Welt und wurde über tausend Jahre lang genutzt.

Wo kann man die Funde aus Durankulak sehen?

Die meisten liegen im Historischen Museum in Dobritsch, eine kleine Sammlung in Durankulak und wertvolle Stücke im Nationalen Historischen Museum in Sofia.

Was gibt es in der Nähe von Durankulak noch zu sehen?

Der Leuchtturm Schabla ist rund 16 km entfernt, der Leuchtturm Kaliakra etwa 35 km und der Palast von Baltschik etwa 43 km.

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